Netzplanung – zu komplex?

Ist die Netzplanung abgetaucht?

baltic-pm_projektmanagement_rostock_netzplanung_01

 

Ein Blick in die Praxis zeigt: Netzplanung in Projekten = Fehlanzeige!

Nur in wenigen Projekten wird noch die gute alte Netzplanung verwendet. Wer einschlägige Software, wie MS Project oder Primavera benutzt, malt meistens Balkenpläne, weil die so schön plakativ sind. Doch wer entwickelt Pläne in der sogenannten Netzplanansicht?

Ist die Netzplanung nicht mehr in?

 

Graue Theorie

Sucht man Bücher über Netzplanung, findet man im deutschen Verzeichnis viele Werke, die bis ins Jahr 1954 und weiter zurück reichen. Bücher aus den 60er Jahren schwärmen von den Möglichkeiten, die Großrechner und erschwingliche Rechenmaschinen für mittlere Unternehmen bieten – wortreich und kompliziert werden die verschiedenen Netzplanungsmethoden, wie Programm Evaluation and Review Technique PERT (1957), Critical Path Method CPM (1958), Precedence Diagramming Method PDM (1964), Hamburger Methode der Netzplantechnik HMN (1966), Projektplanungs- und -steuerungssystem PPS (1968) oder die Metra Potential Methode MPM vorgestellt. Es geht um Vorgangs-Pfeil-Netzpläne, Entscheidungs-Knoten-Netzpläne, Vorgangs-Knoten-Netzpläne und andere Möglichkeiten – nach dem Lesen hat man vor allem eins: einen Knoten im Kopf.

Damals waren viele neue Methoden im Umlauf aber viele hatten auch Probleme und einige von ihnen waren vor allem auf die Großrechnerarchitektur ausgelegt, so dass sie schlussendlich wieder verschwanden.

 

Das Heute

Selbst in der heutigen Zeit versucht man wieder wortgewandt die Grundlagen der Netzplanung in Bücher zu pressen und vergisst dabei, dass die graue Theorie nur Sinn macht, wenn sich auch jemand in der Praxis dafür interessiert. Genau da hapert es aber, denn entweder es wird behauptet, dass Netzplanung nur etwas für komplexe Großprojekte sei – da kann man sich so schön mit Königswissen schmücken – oder aber das wäre zu kompliziert und aufwändig und die Zeit wäre dafür nicht vorhanden. Beides ist natürlich falsch.

 

baltic-pm_projektmanagement_rostock_netzplanung_02

so komplex sollten die ersten Netzpläne nicht sein

 

Die Lösung

Malik schlägt es vor: Reduktion auf das Wesentliche!

Erster Schritt: Konzentration auf den Vorgangsknoten-Netzplan (alte MPM-Methode).

Zweiter Schritt: So etwas wie Sprungfolgen braucht kein Mensch in Projekten. Auch Anfangsfolgen und Endfolgen halten nur auf im Denkprozess und werden in den meisten Projekten nicht wirklich sinnvoll einsetzbar sein – vielmehr wird oft behauptet, dass sie notwendig seien aber meist wird nur die Logik verbogen. Bleibt von den sogenannten Anordnungsbeziehungen der Netzplanung nur noch die Normalfolge übrig, die dann maximal mit dem „minimalen Zeitabstand“ garniert wird, welcher Überlappungen und Wartezeiten zulässt.

Dritter Schritt: Das gute alte Papier kommt zum Einsatz, denn ein Computerbildschirm ist nur ein kleiner Ausschnitt der Wahrheit – natürlich auch mit dem Beamer, denn der macht kleine Pixel nur groß – und dass stört den Überblick, man nennt es auch den Schlüssellocheffekt.

Das war es schon fast. Nimmt man nun ein 50 Jahre altes Buch und sucht dort die drei besten Sätze heraus, kann es losgehen. Die Logik wird im Team zusammengebaut und das dauert bei kleinen Projekten nur eine kurze Zeit. Steht die Logik, ist der Rest ein Kinderspiel – ein paar Berechnungen und fertig ist der Grundplan. Selbstverständlich kann man die Berechnungen auch durch den Computer machen lassen, denn wenn der Grundplan erst einmal steht, dann wird nur noch optimiert und angepasst – leider ein langwieriger Prozess, da die Ressourcen eine Rolle spielen – aber dass ist bei einer alternativen Planungsart genauso.

 

Nicht machen!

Projektmanagement ist strukturiertes und logisches Vorgehen. Gerade in der Netzplanung werden immer wieder viele Fehler gemacht – man sieht es vor allem an den vernetzten Balkenplänen, denn auch sie basieren natürlich auf den Grundlagen der Netzplanung. Hier einige Fehler:

  • Sammelbalken werden verknüpft
  • Meilensteine werden verknüpft
  • Phasenpläne werden mit dem Netzplan verknüpft
  • ein Datum wird einem Netzplanelement zugeordnet
  • Funktionen werden im Netzplan verknüpft (z.B. Controlling)
  • Automatikfunktionen der Software werden benutzt

Das alles sind NoGos in der echten Netzplanung. Natürlich kann man die genannten Dinge einsetzen, aber nicht in einer logisch strukturierten Netzplanung, sondern in einer Terminplanung mit anderen Regeln.

 

Machen!

Netzplanung „light“ lernen und auch in einfachen Projekten ausprobieren – so ist man gewappnet für kompliziertere Vorhaben und behält den logischen Überblick über die Abläufe. Mehr als einen Tag braucht man dafür nicht.

 

Regeln

Hier ein paar wichtige erste Regeln für den Netzplan „light“:

  • wenige Vorgänge verwenden – Detaillierung kann später erfolgen
  • nur Normalfolgen verwenden
  • einen Anfangs- und einen Endmeilenstein als Klammer verwenden
  • im ersten Schritt keine Sammelvorgänge verwenden
  • Phasenpläne zu Beginn weglassen
  • keine festen Daten eingeben (Ausnahme Projektstart)
  • Vorwärtsplanung verwenden
  • im ersten Schritt keine Überlappungen einplanen (Wartezeiten schon)
  • keine Funktionen verwenden (wie z.B. Controlling – da Dauer ja unbekannt)

 

Detaillierungen können im Nachgang erfolgen, ebenso können dann auch Gliederungselemente hinzugefügt werden. Phasenpläne lassen sich ebenfalls gut einfügen, sollten aber nicht mit dem Netzplan verknüpft werden, da dies besser über Gliederungsebenen erreicht werden kann. Feste Vertragstermine werden als gesonderte Termine ohne Verbindung zum Netzplan eingefügt und während der Projektabwicklung wird „gegen“ diese Vertragstermine gearbeitet.

 

Die einfachste Vorgehensweise ist folgende:

  • Vorgänge aus den Arbeitspaketen bilden (Liste)
  • Startmeilenstein festlegen (Startzeitpunkt)
  • Reihenfolge = Logik der Vorgänge ermitteln (schwierigster Punkt aber trivial umzusetzen)
  • Endmeilenstein einfügen
  • Dauern der Vorgänge schätzen (die Dauer entspricht meist nicht dem Aufwand!)

 

Das Ergebnis ist ein Logikplan, welcher den möglichen Projektablauf darstellt. Anschließend müssen die Ressourcen geprüft werden, da es Auslastungen geben kann, welche nicht realisierbar sind. Die Optimierung ist ein Kompromiss zwischen Termin und Ressourceneinsatz.

 

Autor: Thomas Sadewasser

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.